{"id":2674,"date":"2026-11-05T08:07:48","date_gmt":"2026-11-05T08:07:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.isaqb.org\/de\/?p=2674"},"modified":"2026-11-05T08:07:49","modified_gmt":"2026-11-05T08:07:49","slug":"collaborative-software-modeling-gemeinsam-verstehen-besser-entscheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.isaqb.org\/de\/blog\/collaborative-software-modeling-gemeinsam-verstehen-besser-entscheiden\/","title":{"rendered":"Collaborative Software Modeling: Gemeinsam verstehen, besser entscheiden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Gute Softwarearchitektur entsteht nicht im Alleingang. Unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis zu entwickeln und fundierte Entscheidungen zu treffen, geh\u00f6rt zu den zentralen Herausforderungen moderner Softwareentwicklung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Genau hier setzt das neue iSAQB-Modul<\/em> <a href=\"https:\/\/www.isaqb.org\/de\/zertifizierungen\/zertifizierungen-uebersicht\/cpsa-advanced-level\/cosmo-kollaborative-softwaremodellierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong><em>COSMO (Collaborative Software Modeling)<\/em><\/strong><\/a> <em>an. Es vermittelt Methoden und Techniken der kollaborativen Modellierung, mit denen Teams komplexe Zusammenh\u00e4nge sichtbar machen, fachliche und technische Perspektiven verbinden und gemeinsam tragf\u00e4hige Architekturentscheidungen erarbeiten k\u00f6nnen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung und Moderation solcher Modellierungssessions.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Wir haben mit den drei Kuratoren Eberhard Wolff, Daniel Sack und Tom Asel gesprochen.<\/em><\/strong> <em>Im Interview erkl\u00e4ren sie, wie COSMO entstanden ist, warum eine gemeinsame Sprache f\u00fcr erfolgreiche Architekturarbeit entscheidend ist, welche Rolle Facilitation spielt und weshalb kollaborative Modellierung gerade im Zeitalter der KI immer wichtiger wird.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-orange-color has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\"><strong>COSMO ist jetzt das 22. Advanced-Level-Modul im iSAQB-Portfolio. F\u00fcr wen ist das Modul in erster Linie gedacht, welche Schwerpunkte setzt ihr inhaltlich \u2013 und was sollten Teilnehmende idealerweise schon mitbringen, um wirklich davon zu profitieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Daniel Sack:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Problemstellungen sind heute zu komplex, als dass eine einzelne Person sie allein l\u00f6sen k\u00f6nnte. Das gilt besonders dann, wenn mehrere Bereiche gemeinsam an einer L\u00f6sung arbeiten m\u00fcssen und dabei Zielkonflikte sichtbar werden. Genau hier setzt COSMO an: mit kollaborativen Methoden, die unterschiedliche Perspektiven auf den Tisch bringen, und mit Facilitation, die eine Gruppe zu einer gemeinsam getragenen L\u00f6sung f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eberhard Wolff:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht in dem Modul um kollaborative Modellierung. Das ist zum einen ein Bereich von Domain-driven Design, bei dem man sich gemeinsam die Dom\u00e4ne erschlie\u00dft. Es gibt aber auch Techniken, um andere Architektur-Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Alle diese Techniken sollen es mehr Menschen erm\u00f6glichen, an der Modellierung teilzunehmen. Dementsprechend steht das Training allen offen, die an Modellierung und Zusammenarbeit interessiert sind. Ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Architektur ist sicher hilfreich. Eigentlich kennen aber alle Personen, die an IT-Projekten arbeiten, die typischen Herausforderungen in diesen Bereichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tom Asel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mir ist besonders wichtig, dass die Teilnehmenden kollaborative Architekturarbeit in ihrem Alltag etablieren k\u00f6nnen. Architekt:innen lernen, ihr Team st\u00e4rker einzubeziehen. Entwickler:innen erfahren, wie sie selbst Architekturverantwortung \u00fcbernehmen und Entscheidungen gemeinsam gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daf\u00fcr braucht es mehr als Modellierungstechniken. Wir besch\u00e4ftigen uns deshalb auch mit den organisatorischen Voraussetzungen: Welche Freir\u00e4ume braucht ein Team? Wie wirken Hierarchien und Rollenbilder? Und wie gelingt der Einstieg unter weniger idealen Bedingungen? Die Teilnehmenden sollen konkrete Ansatzpunkte f\u00fcr ihr eigenes Umfeld mitnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist auch f\u00fcr Teamleiter:innen, Testmanager:innen und Projektverantwortliche wertvoll, die eng mit der Entwicklung zusammenarbeiten. Hilfreich sind eigene Erfahrungen mit Softwareprojekten und die Bereitschaft, gewohnte Rollen und Arbeitsweisen zu hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-orange-color has-text-color has-link-color wp-elements-2 wp-block-paragraph\"><strong>Wie kam es zu der Idee, COSMO als eigenst\u00e4ndiges Modul zu entwickeln? Was war die L\u00fccke im bestehenden CPSA-Advanced-Level-Angebot, die ihr gesehen habt \u2013 und wie hat sich eure Zusammenarbeit als Kuratoren-Trio mit euren unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden dabei entwickelt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tom:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich begreife Architekturarbeit schon lange als Teamsport. Trotzdem erlebe ich es in der Praxis h\u00e4ufig, dass strikte Rollentrennungen, Engp\u00e4sse und Wissensmonopole als gegeben hingenommen werden. Dabei haben Communitys rund um kollaborative Softwareentwicklung l\u00e4ngst wirksame Praktiken entwickelt. iSAQB Advanced-Level-Module wie AGILA oder DDD greifen diese auf, lassen durch ihre eigenen Schwerpunkte aber wenig Raum f\u00fcr eine Vertiefung. Diese L\u00fccke wollten wir schlie\u00dfen und das Wissen geb\u00fcndelt in die Architekturausbildung und die Architektur-Community tragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere St\u00e4rke als Dreierteam liegt darin, dass wir unterschiedliche Biografien und Erfahrungsbereiche mitbringen, die sich sehr gut erg\u00e4nzen. Wir haben COSMO nicht nur gemeinsam gestaltet, sondern dabei auch viel voneinander gelernt. Das begann 2025, als ich die Idee mit Mitgliedern der COMO-Community diskutiert habe. Daniel war sofort dabei, und aus unserer Initiative entstand COSMO. Mit Eberhards Einstieg nahm die Lehrplanentwicklung richtig Fahrt auf: Er teilte unsere Begeisterung, brachte Erfahrung und neue Perspektiven ein und half uns, Inhalte und Umfang zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Daniel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass ich sofort dabei war, hat einen einfachen Grund. Als einer der Organisatoren des ComoCamps liegt mir am Herzen, Collaborative Modeling (COMO) zug\u00e4nglicher zu machen. Seit dem ersten Camp h\u00f6re ich immer wieder dieselben Fragen: \u201aWie fange ich eigentlich an?\u2018 oder \u201aBei uns im Unternehmen geht das nicht, weil \u2026\u2018. Mit COSMO haben wir f\u00fcr alle, die an diesem Punkt stehen, einen Startpunkt geschaffen, in einem Rahmen, der im Architekturumfeld anerkannt ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-orange-color has-text-color has-link-color wp-elements-3 wp-block-paragraph\"><strong>Der Lehrplan legt gro\u00dfen Wert auf die Entwicklung einer bewusst gestalteten &#8222;gemeinsamen Sprache&#8220; (Ubiquitous Language) im Team. Woran merkt man in der Praxis eigentlich, dass einem Team genau diese gemeinsame Sprache fehlt \u2013 oft ja, bevor es jemandem richtig bewusst wird? Und was ist ein typischer Stolperstein beim Aufbau eines gemeinsamen Verst\u00e4ndnisses von Begriffen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eberhard:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch das Kl\u00e4ren von Begriffen entstehen Diskussionen \u00fcber die Fachlichkeit. Dadurch werden fachliche Anforderungen klar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem kann Kollaboration nur erfolgreich sein, wenn alle beteiligten Menschen dieselbe Sprache sprechen. Das Etablieren einer gemeinsamen Sprache ist daher zentral f\u00fcr Software-Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem basiert Software auf einheitlichen Begriffen: Code ist deterministisch und ist daher gezwungenerma\u00dfen immer eindeutig. Wenn man also beim Design keine gemeinsame und eindeutige Sprache nutzt, kann Software-Entwicklung nicht wirklich erfolgreich sein, weil man diesen Determinismus nicht erreichen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tom:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft merken wir es daran, dass alle denselben Begriff verwenden, bei konkreten Beispielen aber unterschiedliche Dinge meinen. Solange wir abstrakt sprechen, f\u00e4llt das kaum auf. Erst wenn wir gemeinsam einen konkreten Ablauf durchspielen, wird sichtbar, dass die vermeintliche Einigkeit gar nicht besteht. Ein typischer Stolperstein ist daher, dieselben W\u00f6rter schon f\u00fcr gemeinsames Verst\u00e4ndnis zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kluft zwischen Development und Fachabteilungen bleibt besonders dann lange unentdeckt, wenn die Kommunikation haupts\u00e4chlich \u00fcber Dokumente oder Werkzeuge l\u00e4uft und zu wenig durch kollaborative Arbeit und gemeinsame Gespr\u00e4che entsteht. Kollaborative Modellierung schafft einen Raum, in dem wir Begriffe anhand konkreter Beispiele gemeinsam hinterfragen und ihre Bedeutung kl\u00e4ren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit KI wird das noch wichtiger: Wenn wir schneller implementieren k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir umso genauer verstehen, was wir eigentlich umsetzen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Daniel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Warnsignale sind \u00dcbersetzer:innen, also einzelne Personen, ohne die das Gespr\u00e4ch zwischen Fachbereich und Entwicklung nicht funktioniert, oder Code, in dem die Dinge anders hei\u00dfen als im Gespr\u00e4ch mit der Fachabteilung. Ein zweiter Stolperstein ist das Gegenteil von scheinbarer Einigkeit: der Versuch, f\u00fcr das ganze Unternehmen eine einzige verbindliche Definition durchzusetzen. Ein \u201aKunde\u2018 bedeutet im Vertrieb etwas anderes als in der Buchhaltung, und das ist auch richtig so. Eine gemeinsame Sprache gilt immer f\u00fcr einen bestimmten Kontext. Ziel ist Klarheit dar\u00fcber, wo ein Begriff was bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-orange-color has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph\"><strong>Der Lehrplan unterscheidet klar zwischen der Facilitator-Rolle und der inhaltlichen Mitgestaltung von Architekturentscheidungen \u2013 gleichzeitig ist es oft ein und dieselbe Person, die beides \u00fcbernimmt. Wie bringt man Architekt:innen, die ja meist eine klare fachliche Meinung zur &#8218;richtigen&#8216; L\u00f6sung haben, bei, diese neutrale Facilitator-Haltung einzunehmen, ohne dabei ihre eigene Expertise komplett auszublenden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eberhard:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gute Architekt:innen m\u00fcssen beide Bereiche abdecken: Sie k\u00f6nnen nicht die gesamte notwendige Expertise \u00fcber jedes technische und fachliche Detail haben, sondern m\u00fcssen das Wissen des gesamten Teams nutzen und diese Expertise f\u00fcr das Projekt erschlie\u00dfen. Deswegen ist Facilitation sowieso ein wesentlicher Teil erfolgreicher Architekturarbeit. Dabei auf den Input aller Beteiligten zu reagieren, gleichzeitig sein eigenes Wissen nutzbar zu machen, aber nicht einfach alle Entscheidungen selbst zu treffen, ist die entscheidende Herausforderung in der gemeinsamen Architekturarbeit. Das Training vermittelt und vertieft durch den Facilitation-Teil Skills in genau diesem Bereich. Au\u00dferdem ist das Ziel des Trainings mit Techniken aus der kollaborativen Modellierung wie Event Storming ganz konkrete Ideen zu geben, wie man die Zusammenarbeit nicht nur mit allgemeiner Facilitation verbessern kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Daniel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend klassische Facilitation auf eine neutrale Haltung setzt und sich auf die Prozessebene konzentriert, also auf Zeit, Logistik und Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, moderieren wir bei kollaborativer Modellierung zus\u00e4tzlich auf der inhaltlichen Ebene, dort, wo das gemeinsame kognitive Modell entsteht. Visualisierung hilft dabei, das Gesagte f\u00fcr alle zug\u00e4nglich zu machen. Architekturkompetenz hilft, Rahmenbedingungen zu verstehen und Trade-offs einzusch\u00e4tzen. Entscheidend ist, die eigene Rolle als Moderator:in oder Teilnehmer:in bewusst zu steuern und offen zu kommunizieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tom:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daf\u00fcr braucht es zun\u00e4chst das Bewusstsein f\u00fcr die eigenen Vorpr\u00e4gungen durch Meinungen, Gewohnheiten und Erfahrungen. In COSMO-Trainings lernen die Teilnehmenden, solche Pr\u00e4gungen bei sich selbst und anderen zu erkennen und bewusst mit ihnen umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zu stark vereinfachter Ansatz w\u00e4re, die Session von jemandem ohne eigene Architekturerfahrung leiten zu lassen. Das lehnen wir ab. Aus unserer Sicht setzt die Facilitation von Architektur-Workshops eigene Architekturexpertise voraus. Diese<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">braucht es, um einzusch\u00e4tzen, ob sich Diskussionen zielf\u00fchrend entwickeln, bei Bedarf steuernd einzugreifen und Impulse zu geben, wenn die Gruppe nicht weiterkommt. Es geht also darum, die eigene Expertise bewusst einzusetzen, ohne die eigene Vorstellung der richtigen L\u00f6sung zum Ma\u00dfstab der gesamten Session zu machen. Die Herausforderung besteht darin, architektonisch Orientierung geben zu k\u00f6nnen und zugleich offen f\u00fcr andere Perspektiven und L\u00f6sungsans\u00e4tze zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-orange-color has-text-color has-link-color wp-elements-5 wp-block-paragraph\"><strong>Machtgef\u00e4lle und dominante Teilnehmende werden im Curriculum explizit als Risiko f\u00fcr die Qualit\u00e4t einer Session genannt, ebenso die Chance, unterrepr\u00e4sentierten Perspektiven mehr Geh\u00f6r zu verschaffen. Habt ihr eine konkrete Technik, die zuverl\u00e4ssig daf\u00fcr sorgt, dass auch leisere oder rangniedrigere Stimmen im Raum geh\u00f6rt werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Daniel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Machtgef\u00e4lle wirken oft unbemerkt. Wer viel Rang hat, durch Position, Erfahrung oder Rolle, merkt meist gar nicht, wie sehr sich andere zur\u00fcckhalten. Deshalb braucht es Techniken f\u00fcr zwei Momente: wenn Ideen gesammelt werden und wenn die Gruppe entscheidet. Bei Entscheidungen frage ich gezielt nach, wer es anders sieht und was es br\u00e4uchte, damit diese Person mitgehen kann. Oft steckt genau dort das Wissen, das sp\u00e4ter gefehlt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eberhard:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum einen ist das eine Aufgabe von Facilitation und Moderation: Es sollen alle geh\u00f6rt und an den Sessions teilnehmen k\u00f6nnen. Die Existenz einer solchen Rolle f\u00fchrt schon dazu, dass dominante Personen nicht einfach ad hoc die Moderation \u00fcbernehmen und sich auch nicht selbst dann in den Mittelpunkt stellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem unterst\u00fctzen die Techniken aus der kollaborativen Modellierung diesen Aspekt &#8211; und zwar als einen ganz wichtigen Teil. Das f\u00e4ngt schon bei scheinbar unwichtigen Details an: Wenn alle Beteiligten Post-Its schreiben und nicht nur Dinge verbalisieren, kommen Menschen zum Zug, die sich bei Diskussionen sonst nicht in den Vordergrund spielen. Au\u00dferdem kann man sicherstellen, dass tats\u00e4chlich alle Post-Its in das Ergebnis einflie\u00dfen und damit der Input aller Beteiligten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tom:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine konkrete Erg\u00e4nzung ist, Optionen zun\u00e4chst so zu sammeln, dass nicht erkennbar ist, wer sie eingebracht hat. Damit r\u00fcckt der Inhalt eines Beitrags in den Vordergrund. Erfahrung oder Rang der Person bestimmen dann weniger stark, welche Ideen Aufmerksamkeit bekommen. Denn auch der erfahrenste Kollege hat nicht automatisch die beste oder einzig relevante Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgabe von Facilitation ist es, unterrepr\u00e4sentierte Perspektiven wahrzunehmen und gleichwertige M\u00f6glichkeiten zur Beteiligung zu schaffen. Dazu geh\u00f6rt auch, die eigenen Vorannahmen und bevorzugten L\u00f6sungsans\u00e4tze zu erkennen und bewusst damit umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine einzelne Technik garantiert das noch nicht. Es braucht \u00dcbung und Aufmerksamkeit f\u00fcr die Dynamik im Raum. Gerade deshalb lohnt es sich f\u00fcr Architektinnen und Architekten, die Workshops moderieren, diese F\u00e4higkeiten gezielt aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-orange-color has-text-color has-link-color wp-elements-6 wp-block-paragraph\"><strong>Ihr sagt, dass das Externalisieren von implizitem Wissen nicht nur der menschlichen Zusammenarbeit hilft, sondern auch bessere Ergebnisse mit LLMs erm\u00f6glicht. Ver\u00e4ndert das schon jetzt ganz konkret, wie ihr Sessions gestaltet oder Ergebnisse dokumentiert \u2013 flie\u00dfen Outputs aus kollaborativen Modellierungs-Sessions inzwischen strukturiert in KI-Tools ein, oder ist das eher noch ein Zukunftsversprechen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tom:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Definitiv. Wenn Code-Erzeugung durch KI-Tools immer g\u00fcnstiger wird, ist Wissen alles. Was sich in den letzten anderthalb Jahren sp\u00fcrbar ver\u00e4ndert hat, ist, wie es nach der kollaborativen Modellierung weitergeht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je nach Ziel der Session ist es heute nicht mehr ungew\u00f6hnlich, dass der n\u00e4chste Schritt direkt in einer Prototyping-Phase m\u00fcndet \u2013 etwas, das fr\u00fcher als zu aufwendig oder zu teuer galt. KI-Tools nehmen inzwischen direkt unsere Artefakte auf \u2013 ob Fotos von voll beklebten W\u00e4nden oder Exporte aus Miro-Boards \u2013 und erzeugen daraus Prototypen oder bringen Inhalte in Reinschrift, etwa indem aus einer fotografierten Event-Storming-Wand ein interaktives Board wird. Das ist keine Vision mehr, sondern gelebte Praxis, die sich immer weiter verbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Daniel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcrde den Blick noch etwas weiten. Externalisieren bedeutet im weiteren Sinn, dass wir uns mit Wissensweitergabe und Kommunikation besch\u00e4ftigen. Und das ist kein neues Problem. Was im Gang, an der Kaffeemaschine oder in einem verpassten Workshop besprochen wird, erreicht viele nie, und ein LLM schon gar nicht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher war es schlicht zu aufwendig, dieses Wissen festzuhalten. Heute geht das schneller als je zuvor. Die neue Herausforderung ist die Informationsflut. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb ver\u00e4ndert sich auch, wie wir Sessions abschlie\u00dfen: Statt alles zu digitalisieren, fragen wir bewusst, ob das Erarbeitete konkret, wichtig und richtig genug ist, um erhalten zu bleiben, oder ob es vor allem ein Zwischenschritt war, der uns als Gruppe zu einem gemeinsamen Verst\u00e4ndnis gebracht hat. Diese Unterscheidung zu treffen, ist eine St\u00e4rke kollaborativer Modellierung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-orange-color has-text-color has-link-color wp-elements-7 wp-block-paragraph\"><strong>KI schickt sich ja an, die Software-Entwicklung insgesamt zu revolutionieren. Spielt KI f\u00fcr dieses Training auch eine Rolle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eberhard:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch KI wird mutma\u00dflich die Geschwindigkeit, mit der Code erzeugt, erh\u00f6ht. Aber Code ist kein Asset. Das Asset ist der Wert der Software, der sich letztendlich darin ausdr\u00fcckt, wie gut die Software den Business Case unterst\u00fctzt. Das Optimum ist, wertvolle und n\u00fctzliche Software mit m\u00f6glichst wenig Code zu erstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fokus der KI-Diskussion steht aber das billige Erstellen von Code. Das hei\u00dft nicht, dass das Richtige entsteht. Billiger Code, der keinen Wert hat, ist schlicht Verschwendung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um wertvolle Software zu entwickeln, ist Wissen \u00fcber die Dom\u00e4ne zentral und ein Austausch der verschiedenen Rollen. Das ist gerade der Fokus von kollaborativer Modellierung. Wenn das Erstellen von Code billiger wird, werden diese Skills noch wichtiger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig geht es um die Interaktion von Menschen. Zwischenmenschliche Beziehungen und Handeln sind nichts, was KI automatisieren kann. Daher ist kollaborative Modellierung gerade jetzt so wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tom:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, KI spielt f\u00fcr die Einordnung und Bedeutung kollaborativer Modellierung im Training eine wichtige Rolle. Wir greifen auf, wie sich Software-Entwicklung durch KI ver\u00e4ndert und warum das gemeinsam erarbeitete Verst\u00e4ndnis dabei so entscheidend ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schwerpunkt liegt auf den F\u00e4higkeiten, dieses Wissen gemeinsam zu entwickeln und explizit zu machen. Je mehr KI in der Software-Entwicklung \u00fcbernimmt, desto wichtiger wird das, was wir im Training vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Daniel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Risiko sehe ich darin, dass KI in Sekunden \u00fcberzeugend aussehende Modelle erzeugt. Das erweckt leicht den Eindruck, man sei sich einig, obwohl nie jemand gemeinsam dar\u00fcber gesprochen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein generiertes Modell kann ein guter Gespr\u00e4chsanlass sein, ersetzt aber kein gemeinsames Verst\u00e4ndnis. Erst dieses Verst\u00e4ndnis erm\u00f6glicht es, bewusst Entscheidungen zu treffen, die halten und auf die man bauen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Teams damit erfolgreicher werden, ist der erste Schritt zu besseren Entscheidungen getan, und damit auch die Grundlage f\u00fcr mehr Wirkung im eigenen Unternehmen und in den Produkten f\u00fcr die Kund:innen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Vielen Dank an Tom Asel, Eberhard Wolff und Daniel Sack f\u00fcr eure Einblicke und Sichtweisen zum Thema kollaborative Softwaremodellierung!<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die COSMO-Kuratoren Tom Asel, Daniel Sack und Eberhard Wolff sprechen \u00fcber kollaborative Softwaremodellierung, architektonische Entscheidungen und die Rolle der 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