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Article Duggen Laube SOFT

Soft Skills: Fundament für Softwarearchitekt:innen in einer komplexen Welt

Ein Artikel von Kim Nena Duggen und Cosima Laube

Die Landschaft der Software­ent­wicklung ist heute schnell­le­biger denn je. Moderne Archi­tek­turen wie Micro­ser­vices, verteilte Systeme und Cloud-Infra­struk­turen bieten zwar enorme Vorteile, bringen aber auch eine massive Zunahme an Komple­xität mit sich. Hinzu kommen ständig neue Techno­logien, die ein konti­nu­ier­liches Lernen erfordern, sowie der anhal­tende Druck durch technische Schulden und die gleich­zeitige Notwen­digkeit, kurzfristige Lösungen zu implementieren.

Neben diesen techno­lo­gi­schen und metho­di­schen Heraus­for­de­rungen gibt es einen oft unter­schätzten Bereich, der für den Erfolg von Softwarearchitekt:innen und ‑entwickler:innen entscheidend ist: Kommu­ni­kation und Zusammenarbeit.

 

Abbildung 1_Die Software-Architektin im Spannungsfeld

Abbildung 1: Die Software-Archi­tektin im Spannungsfeld (eigene Darstellung, generiert mit ChatGPT)

 

Warum Soft Skills in der Software­ent­wicklung unver­zichtbar sind

In unserer langjäh­rigen Arbeit mit Softwarearchitekt:innen und ‑entwickler:innen kristal­li­sieren sich stetig dieselben zentralen Heraus­for­de­rungen heraus, die sich nicht allein durch techni­sches Know-how lösen lassen. Statt­dessen braucht es “softe” Fähig­keiten für harte Probleme.

Kommu­ni­kation und Teamarbeit: Software­ent­wicklung ist niemals eine Einzel­dis­ziplin. Sie erfordert eine enge Zusam­men­arbeit mit Entwicklerkolleg:innen, Designer:innen, Produktmanager:innen und Stake­holdern. Missver­ständ­nisse oder Inter­es­sens­kon­flikte sind oft Ursache für teure Fehler und können ganze Projekte zum Scheitern bringen. Klar und präzise zu kommu­ni­zieren, zuzuhören und sich auf unter­schied­liche Kommu­ni­ka­ti­ons­be­dürf­nisse einzu­stellen ist dabei entscheidend.

Umgang mit Anfor­de­rungen: Häufig sind Anfor­de­rungen unklar, ändern sich wiederholt oder wider­sprechen sich. Dies erschwert Planung und Umsetzung erheblich. Die eigent­lichen Bedürf­nisse der unter­schied­lichen Anfor­dernden heraus­zu­ar­beiten, kritische Fragen zu stellen und auch in Ambiguität zu navigieren, sind wichtige Fähigkeiten.

Balance von Zeit- und Feature-Druck vs. technische Schulden: Der Spagat zwischen der Lieferung neuer Features – meist unter Zeitdruck – und der Notwen­digkeit, technische Schulden abzubauen, ist oft eine Dauer­aufgabe. Unerlässlich sind Verhand­lungs­ge­schick, Überzeu­gungs­kraft und die Fähigkeit, Optionen aufzu­zeigen sowie Priori­täten zu setzen und auch zu vertreten.

Umgang mit Komple­xität und Förderung von Verän­de­rungs­be­reit­schaft: Die immense Komple­xität moderner Systeme erfordert techni­sches Verständnis und die Fähigkeit, das Gesamtbild nicht nur zu kennen oder heraus­zu­ar­beiten, sondern auch das “Big Picture” zu vermitteln und zu motivieren –für konti­nu­ier­liches Lernen und notwendige Veränderungen.

Laterale Führung: Entwick­lungs­teams stehen oft eher hinter einer Lösung, wenn sie diese selbst entworfen haben. Archi­tek­tur­arbeit in Gruppen durch­zu­führen, die beste Lösung zu finden und Einigkeit in Entschei­dungen herzu­stellen, kann heraus­for­dernd sein – besonders, wenn man als Architekt:in ohne hierar­chische Vorgaben arbeiten will, um Commitment sicherzustellen.

Konflikt­ma­nagement: Wo Menschen zusam­men­ar­beiten, entstehen Konflikte – durch unter­schied­liche Inter­essen, Werte oder system­be­dingte Ursachen. Die Fähigkeit, Konflikte zu erkennen, zu analy­sieren und konstruktiv anzugehen, ist ein zentraler Erfolgs­faktor. Das betrifft oft auch die Klärung von Rollen und Verant­wort­lich­keiten. Klare Rollen­ab­grenzung kann erheb­liche Erleich­terung schaffen und das Delegieren von Aufgaben erleichtern.

 

Soft Skills in der Weiter­bildung von Softwarearchitekt:innen

Rein technische Fähig­keiten allein reichen nicht aus, um den komplexen Anfor­de­rungen des Arbeits­alltags gerecht zu werden. Es geht um weit mehr, als Code zu schreiben oder Archi­tek­turen zu entwerfen. Effektiv in Teams zu agieren, Projekte zu steuern, Stake­holder zu managen und Konflikte zu lösen wird immer wichtiger. Softe Fähig­keiten sind für harte Heraus­for­de­rungen in der Zusam­men­arbeit unverzichtbar.

Konti­nu­ier­liche Weiter­bildung und Weiter­ent­wicklung im Bereich der Soft Skills ist für Softwarearchitekt:innen unerlässlich, um den eigenen Werkzeug­kasten über rein technische Methoden hinaus zu erweitern und struk­tu­rierte Heran­ge­hens­weisen an die oft als zu „weich“ bewer­teten Themen zu entwickeln.

 

Das weite Feld der Soft Skills lässt sich folgen­der­maßen konkretisieren:

 

Metho­dische Kompe­tenzen: Dazu gehören die Grund­lagen der Kommu­ni­kation, Führung von Einzel- und Gruppen­ge­sprächen, Modera­tions- und Visua­li­sie­rungs­tech­niken sowie Analyse, Lösung und Prävention von Konflikten. Diese metho­dische Erwei­terung des Werkzeug­kastens ermög­licht ein effek­ti­veres Agieren im Projektalltag.

Soziale Kompe­tenzen: Das Üben, Reflek­tieren und Arbeiten an Heraus­for­de­rungen aus dem eigenen Arbeits­alltag hilft dabei, das Gelernte in die Praxis zu trans­fe­rieren. Im geschützten Rahmen von gut moderierten Peer- oder Trainings­gruppen lässt sich die eigene soziale Kompetenz weiter ausbauen und das Erleben von Wirksamkeit steigern.

Persön­liche Entwicklung: Es wird reflek­tiert, welche „Kämpfe“ auszu­tragen sich lohnt und wie die Wirksamkeit der eigenen Rolle gestärkt werden kann. Einge­flochtene Refle­xi­ons­mo­mente fördern die maßge­schnei­derte Anpassung an indivi­duelle Bedürf­nisse, und geben handfestes Rüstzeug für die eigene nachhaltige persön­liche Entwicklung im Bereich Soft Skills.

 

Fazit

Die Fähigkeit, sich effektiv mit Komple­xität, Kommu­ni­kation, Teamdy­namik und Konflikten ausein­an­der­zu­setzen, ist für Softwarearchitekt:innen heute mindestens genauso wichtig, wie das Beherr­schen techni­scher Tools, Frame­works und Archi­tek­turen. Wer sich hier weiter­bildet, inves­tiert nicht nur in die eigene Karriere, sondern auch maßgeblich in den Erfolg von Softwareprojekten.

 

Figure 2: Contents of the module “Soft Skills for Architects”

Abbildung 2: Inhalte des Moduls Soft Skills für Architekt:innen

 

Die Autorinnen:

Kim Nena Duggen
Kim ist Organi­sa­tions-Archi­tektin für New Work, Selbst­or­ga­ni­sation und IT-Strategie. Sie arbeitet am liebsten mit Menschen, die selbst gestalten wollen – statt auf Standard­lö­sungen zu setzen. Situa­ti­ons­ge­recht wechselt sie zwischen Beratung, Training und Coaching. Im iSAQB engagiert sie sich als AG-Advanced-Mitglied, SOFT-Kuratorin und 2. Vorstandsvorsitzende.

Cosima Laube
Als Coach und sozio­tech­nische Organi­sa­ti­ons­be­ra­terin begleitet Cosima Menschen und Teams vor allem in Phasen der Verän­derung. Ihr fundierter Hinter­grund als Software-Entwick­lerin, Business Analystin und Lead Developer, ergänzt durch einen BSc in Psycho­logie, fließt auch in ihre Arbeit als Trainerin für Soft Skills ein.

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